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04.01.2019

„Leckerlies“ von Tierparkbesuchern oft Gefahr für Tiere

Interview mit Tierparkleiter Peter Heinrich zu verkürzten Öffnungszeiten und illegaler Fütterung

Tierparkleiter Peter Heinrich beim Füttern der Esel

Es ist meist gut gemeint, doch illegales Füttern der Bewohner des Tierparks bringt große Probleme. Davon kann Tierparkleiter Peter Heinrich ein Lied singen. Die Tiere werden fetter, im schlimmsten Fall sterben sie an abgelegten Leckerlies. Trotz massiver Hinweise werfen Besucher immer wieder Futter in die Gehege oder entsorgen gar ihren Biomüll im Tierpark. Der Tierparkleiter hat in diesem Jahr konsequent reagiert und die Öffnungszeiten verkürzt.


Was für Probleme bringt das Füttern durch Besucher?
Peter Heinrich: Massive. Die Tiere sind satt und fressen bei den Hauptfütterungen schlecht oder gar nicht. Somit hat der Tierpfleger keine Möglichkeit, am Fressverhalten der Tiere ihren Vitalitäts- und Gesundheitszustand zu prüfen. Zusätzliche Fütterungen durch Besucher lassen die Tiere auch verfetten – ich erinnere hier nur an Pony Idefix. 100 Kilogramm musste Idefix abspecken – das war ein langer und harter Prozess für das Tier.


Welche Folgen hat Übergewicht für Tiere?
Peter Heinrich: Wie beim Menschen, führt Übergewicht auch bei Tieren zu Gelenkverschleiß und zu den sogenannten „Volkskrankheiten“.
Mit Abstand die größte Gefahr bei illegaler Fütterung besteht jedoch darin, dass das generelle Fressverhalten der Tiere den Besuchern überhaupt nicht bekannt ist. Grundsätzlich werden die ranghöheren Tiere immer zuerst fressen. Dies führt zu einem hohen Futterneid, der nicht selten in Auseinandersetzungen unter den Tieren führt. Solche Auseinandersetzungen endeten beim Rotwild 2006 und beim Damwild 2012 für zwei weibliche Tiere tödlich. Deshalb füttern die Tierpfleger an mehreren Fressstellen, sodass die Tiere sich aus dem Weg gehen können und jeder beim Fressen seine größtmögliche Ruhe hat. Auch wir Menschen haben beim Essen einen eigenen Platz.


Dieser Gefahr sind sich viele Besucher sicher gar nicht bewusst. Aber nicht nur ein Zuviel birgt Gefahren für die Tiere …
Peter Heinrich: Das stimmt leider. Denn vielmals haben die Besucher die sogenannten Leckerlies in Plastiktüten, die zu dicht an den Zaun gehalten, durch die Tiere ins Gehege hineingezogen werden. Werden die Tüten nicht sofort entfernt, können sie zum Teil gefressen werden oder die Tiere verheddern sich in den Trageschlaufen und brechen sich im schlimmsten Fall die Beine.
Im Januar musste ein Shetlandpony behandelt werden, dass durch Fütterung durch Besucher an Koliken litt.
Auch ein gefressener Kinderwollhandschuh führte bei einem Damhirsch zum Darmverschluss und zum Tod. Im Allgemeinen aber können Wildtiere schon recht gut unterscheiden, was sie unbeschadet fressen können oder nicht.
Wildtiere können das, aber wie sieht es bei domestizierten Haustieren aus?
Ganz anders. Hier weiß im Regelfall nur der Tierpfleger, welches Futter sie mögen und welches nicht.


Was können Sie gegen illegale Fütterung unternehmen?
Peter Heinrich: Um unsere Tiere so schadlos wie möglich zu halten, haben wir an allen Gehegen gut sichtbar Fütterungsverbotstafeln angebracht. Leider halten sich nicht alle Besucher daran, sodass wir einen Teil unserer Arbeit damit verbringen, über den Zaun geworfenes Futter wieder zu beseitigen.


Sie sammeln es also wieder ein?
Peter Heinrich: Selbstverständlich. Am aufwendigsten ist das bisher immer am Montagmorgen gewesen. Leider wurden durch den Durchgangsverkehr im Tierpark die Küchenabfälle vom Wochenende - oftmals auch noch im Müllbeutel - über den Zaun von Damwild und Ziegenhege geworfen.
Eine besondere Unsitte war bisher, dass Pendler, die den Durchgang im Tierpark als Arbeitsweg genutzt haben, ihre Bioabfälle trotz Hinweistafeln an die Gehegezäune gehangen haben. Diese wurden wiederum durch die Tiere in die Gehege hineingezogen oder durch Krähen geplündert. Entsprechend sah es dadurch im Umfeld aus. In der Regel hatte ein Mitarbeiter morgens mindestens eine halbe Stunde zu tun, um die Sauberkeit wiederherzustellen.


Ist das der Grund, dass die Öffnungszeiten eingeschränkt wurden?
Peter Heinrich: Leider ja. Wir haben keine andere Möglichkeit, unsere Tiere zu schützen. Für tatsächliche Tierparkbesucher hatten wir aber im Sommer bis 18 Uhr offen.
Jetzt im Winterhalbjahr erwarten wir unsere Besucher zwischen 9 und 15.30 Uhr, und das täglich und ohne Eintritt.


Wer den Tieren und/oder Ihrer Einrichtung etwas Gutes tun möchte, dem empfehlen Sie was?
Peter Heinrich: Wer dem Tierpark etwas Gutes zukommen lassen will, kann sich gerne um eine Mitgliedschaft im Förderverein des Freiberger Tierparks (www.fv-freiberger-tierpark.de) bewerben. Selbstverständlich freuen wir uns auch über Geldspenden. An den Eingängen sind hierfür Spendenkassen aufgestellt. Eine Überweisung auf das Konto DE75 8705 2000 3115 0001 02 der Stadtverwaltung Freiberg mit dem Zahlungsgrund "Tierpark Freiberg" ist jederzeit auch möglich. Das Geld wird ausschließlich für den Tierpark verwendet.
Eine Spendenquittung wird hierfür ebenfalls ausgestellt.

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