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23.01.2019

Lepra lebt. Immer noch. Immer wieder.

Aufruf der DAHW-Präsidentin zum Welt-Lepra-Tag am 27. Januar 2019

Seit fast 62 Jahren arbeitet die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. für Menschen, die an Lepra, den medizinischen Folgen der Krankheit oder sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung leiden. Gemeinsam mit ihren Partnern der internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke ILEP arbeitet die DAHW äußerst erfolgreich in diesen Bereichen. Die neuen Statistiken (Quelle: WHO) für das Jahr
2017 belegen dies eindeutig. Die absolute Zahl der erkrankten Kinder ist innerhalb eines Jahres mit einem Rückgang von 8 Prozent auf nur noch 17.000 gesunken. Und die der sichtbaren Behinderungen hat sich um 6,5 Prozent reduziert und betrug 12.189 Fälle. Beide Zahlen gelten als wichtige Indikatoren für die Lepra-Kontrollarbeit.

Aber was heißt eigentlich „nur noch“? Sind mehr als 17.000 an Lepra erkrankte Kinder oder über 12.000 Menschen mit bereits bei der Diagnose vorhandenen, leprabedingten Behinderungen nicht auch zu viel? Was ist mit den zahlreichen Menschen, die nach einer erfolgreichen Therapie durch die Spätfolgen der früheren Lepra-Erkrankung Behinderungen erleiden? Weltweit sind davon rund vier Millionen Menschen betroffen. Doch jeder Einzelne ist einer zu viel. Mehr als 210.000 von Lepra Betroffene gab es im Jahr 2017 – und damit über
7.000 Fälle weniger als im Vorjahr. Dabei gibt es starke regionale Unterschiede: In Südostasien sind es rund 10.000 weniger Fälle als im Jahr 2016. In anderen Regionen gab es dagegen leichte Anstiege um rund 1.000 oder die Fallzahlen blieben unverändert. Indien ist das Land mit den meisten gemeldeten Lepra-Fällen. Jedoch stellen 126.000 Neuerkrankungen einen leichten Rückgang dar.

Diese Beispiele zeigen deutlich, dass wir noch viel unternehmen müssen, um Lepra endgültig unter Kontrolle zu bringen. Hierbei muss der Fokus auf einer engen Begleitung der Patienten und ihres unmittelbaren Umfelds liegen, da diese Personen Risikogruppen für eine Lepra-Erkrankung und Weiterverbreitung sind. Durch die prophylaktische Einmalgabe eines Antibiotikums an enge Kontaktpersonen (z. B. Familienmitglieder oder enge Freunde) könnte dieser Kreislauf vorzeitig gestoppt werden. Hoffnung verspricht das umfassende Projekt
von The European & Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP) gemeinsam mit Netherlands Leprosy Relief (NLR), einer DAHW-Partnerorganisation. Nach mindestens zwei Jahren werden wir erfahren, ob es erfolgreich eingesetzt werden kann. Dies wäre ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Lepraarbeit. Ab 2019 wird die Umsetzung der Prophylaxe auf Effektivität in Bezug auf Kosten und Akzeptanz durch die Bevölkerung untersucht.

Doch bedeutet ein solcher Meilenstein nicht, dass das Ziel bereits erreicht ist. Ganz und gar nicht. Denn wir müssen Mittel und Wege finden, den Einsatz dieser Prophylaxe in den Gesundheitssystemen der ärmsten Länder unserer Welt zu ermöglichen. Dabei bemüht sich die DAHW, dass zukünftig allen Betroffenen diese Prophylaxe zur Verfügung stehen kann. Mit Ihrer Hilfe und Unterstützung können wir dieses Ziel erreichen.

Ich bitte Sie alle, denen das Schicksal der von Lepra betroffenen Menschen am Herzen liegt, uns bei der Erreichung genau dieses Ziels zu unterstützen. Jede Hilfe ist willkommen, ob als Spende oder als ehrenamtliches Engagement. Damit weniger Menschen an Lepra und deren Folgen leiden müssen.

Herzlichst
Ihr
Patrick Miesen
Präsident der DAHW


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